Grundsätzliches zum Thema Fernsteueranlagen 

Eine Fernsteueranlage ist kein Hexenwerk sondern eine funktechnische Vorrichtung, um Funksignale von einem Sender zu einem Empfänger zu übertragen, diese Signale zu decodieren und in Steuerbefehle oder sonstige Befehle für das Modell umzusetzen. Die decodierten Befehle werden dann an sog. Servos (Rudermaschinen) per Kabelanschluss weitergegeben, die dann wiederrum mittels Stellmotoren die Steuerbefehle über ein Gestänge an die Ruder übertragen. Der technische Fortschritt und die digitale Technik ermöglichen es mittlerweile sogar, vom Empfänger im Modell Datenpakete zurück zum Sender zu übertragen. Damit kann man sog. Telemetriedaten erhalten, um z.B. Akku-Ladezustände, Akkutemperatur u.ä. zu übertragen. Das ermöglicht volle Kontrolle.

Für die Steuerung von RC-Modellen sind bestimmte Frequenzen reserviert. Dies ist notwendig, um nicht mit anderen Funkanlagen, die heute sehr zahlreich sind, in Konflikt zu geraten und Störungen, die schwerwiegende Folgen haben könnten, zu verursachen.

Deswegen sind die verfügbaren Funkfrequenzen in sog. Funkbänder aufgeteilt, die entsprechende Frequenzabstände einhalten müssen

Für den Modellsport waren bis vor einigen Jahren die Frequenzbänder im 27 MHz-Band sowie im 35 MHz- Band reserviert. Später kam das 41 MHz- Band hinzu.

Die Frequenzbänder waren wiederum in Kanäle unterteilt. Die damaligen Fernsteuerungen (Sender und Empfänger) mussten mit einem sog. Quarz bestückt werden, um auf einem bestimmten Kanal zu arbeiten. Zum Kanalwechsel mussten nur die Steckquarze gegen andere ausgetauscht werden. Damit mussten sich Modellbauer, die ihre Modelle gleichzeitig betreiben wollten, untereinander über die Kanalnutzung absprechen und ihre Sender und Empfänger entsprechen quarzen, um sich nicht gegenseitig zu stören.

Das obige Foto zeigt einen Graupner HOTT - Empfänger (2.4GHz). Der Empfänger arbeitet im sog. 75-Kanal-Frequenzhopping. D.h., er wechselt innerhalb des 2,4 GHz - Bandes ständig über alle vorhandenen 75 Kanäle des Frequenzbandes hin und her. So werden Störimpulse anderer Sendeanlagen ausgeblendet!

Die heutige Technik macht all dies überflüssig. RC-Anlagen arbeiten heute auf dem 2,4 GHz (Gigaherz) - Band. Das Problem der Kanalzuweisung wurde genial gelöst: Sender und Empfänger wechseln simultan in sehr hoher Sprungfrequenz über alle Kanäle des Frequenzbandes. Die Firma Graupner nannte dieses Verfahren treffend "Frequenz-Hopping". Sender können sich seitdem nicht mehr gegenseitig stören. Diese Technik ist heutzutage Standard bei allen Herstellern, wenn auch die Bezeichnungen jeweils andere sein mögen.

 

Im Foto sind die 6 Steckplätze für Servos, Fahrtregler und ggf. Telemetrieübertragung zu sehen. Der Anschluss an Kanal 5 ist deshalb zusätzlich mit einem "T" gekennzeichnet um klar zu machen, dass hier wahlweise Telemetrie-Komponenten oder normale Servos angeschlossen werden können!

Anmerkung:

Die Firma Graupner existiert zwar nicht mehr, die Fernsteueranlagen dieser Firma werden aber in Asien weiterhin unter dem Namen Graupner gebaut und in Deutschland über die Firma D-Power Modellbau vertrieben. 

Für welche Fernsteueranlage man sich auch entscheidet, ist letztliche eine Geschmacksfrage und eine Frage des Geldbeutels. Alle von Markenherstellern wie Graupner, Futaba (ehemals Marke von Robbe), Multiplex (ein deutscher Hersteller), um nur einige zu nennen, angebotenen Anlagen sind grundsätzlich zu empfehlen. Von No-Name-Produkten rate ich ab. Schließlich wollen Sie als Käufer sicher sein, auch in ein paar Jahren noch Empfänger und andere Zubehörteile für Ihre Anlage zu bekommen. Empfänger anderer Hersteller mit dem eigenen Sender zu betreiben, funktioniert nämlich nicht, da jeder Hersteller penibel darauf achtet, sein eigenes Übertragungssystem zu pflegen, das mit denen anderer Hersteller nicht kompatibel ist und herstellerseitig auch nicht sein soll! Hinzu kommt, dass der Flugmodellsportler, der vielleicht gar Hubschraubermodelle fliegen möchte, ganz andere Anforderungen an die Fernsteuerung stellt als ein Schiffsmodellbauer. Wichtig ist bei der Kaufentscheidung ist somit nicht nur die Marke, sondern auch der Verwendungszweck. Ein Schiffsmodellbauer benötigt i.d.R. keine Flugphasenprogramme und andere umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten. Dennoch sind solche Programme heute fast in jeder Anlage enthalten, weil die Hersteller natürlich alle Käuferschichten ansprechen möchten. Schiffsmodellbauer benötigen eine Fernsteuerung mit minimal 2 Übertragungskanälen. Ich rate aber dazu, mindestens 6, besser 12 Kanäle zur Verfügung zu haben. Anlagen mit 12 Kanälen ohne viel Schnickschnack sind bereits für rund 200,- Euro zu haben (nur Sender). Damit ist man dann aber auf der sicheren Seite, weil mit zunehmender Erfahrung im Modellbau oft der Wunsch entsteht, in ein Modell ggf. auch etliche Sonderfunktionen einbauen zu wollen. Die kann man zusätzlich aber nur steuern, wenn man genügend freie Steuerkanäle zur Verfügung hat!

Fassen wir zusammen:

Funkfernsteuerung und Funkempfänger sind das Herz jeder Anlage und müssen miteinander kompatibel (vom gleichen Hersteller) sein. Alle weiteren Komponenten, also Servos, Akkus, Schalter usw. dürfen gemischt werden. Die Steckersysteme sind nämlich genormt und es sind eigentlich nur 2 Steckertypen relevant: Futaba oder Graupner. Alle Servos und sonstiges Zubehör sind mit beiden Steckervarianten erhältlich. Zur Not gibt es auch Adapterkabel.

Der Einbau von RC Komponenten ist natürlich stark abhängig von der Einbausituation und vom vorhandenen Platz. Im Schiffsmodellbau ist im Gegensatz zum Flugzeugmodellbau zu wenig Platz in der Regel nicht unser Problem. Dennoch sind auch hier einige Grundsätze zu beachten:

Die Haupt-Komponenten sind Empfänger, Akku, Fahrtregler und Servos. Alle elektronischen Komponenten sind so einzubauen,  dass sie nicht mit evtl. eindringendem Wasser in Kontakt kommen können, demnach also nicht auf dem Rumpfboden! Der Empfänger sollte soweit vom Motor und vom Fahrtregler entfernt angebracht werden, wie die Kabellängen es zulassen. Verlängerungskabel brauchen wir aber normalerweise nicht. Der Grund ist, dass im Regler wie im Motor die stärksten Ströme fließen, und wo Strom fließt, da bilden sich Magnetfelder, welche den Empfang von Funksignalen stören können. Die Servos werden so platziert, dass sie möglichst nahe am Ruder sitzen, was lange Anlenkwege vom Servohebel bis zum Ruder überflüssig macht. Die Entfernung vom Servo zum Empfänger können wir (falls die Anschlusskabel zu kurz sind), mit Servo-Verlängerungskabeln überbrücken. Solche Kabel kann man in Längen von 5 cm bis ca. 60 cm und mehr fertig konfektioniert kaufen. Somit müssen wir in Schiffsmodellen grundsätzlich keine Bowdenzüge verlegen, um weit entfernte Ruder anzulenken

Das nachfolgende Foto zeigt das Anschlussschema der grundlegenden RC-Komponenten:

Anmerkung:

Hinter der Abkürzung BEC (battery elimination circuit) verbirgt sich eine elektronische Schaltung im (Fahrt-) Regler, die den Empfänger über den Fahrakku mit Strom versorgt. Seit der Einführung von BEC sind separate Akkus zur Empfängerstromversorgung nicht mehr notwendig. Die zusätzliche Belastung für den Fahrakku ist vernachlässigbar gering, weil Empfänger und angeschlossene Servos nur eine geringe Stromaufnahme haben bzw. die Servos nur Strom verbrauchen, wenn sie einen Steuerimpuls erhalten. Der Strom fließt vom Regler über das Servokabel zum Empfänger. Der Empfänger versorgt seinerseits die Servos mit Strom und nutzt dafür ebenfalls die Servokabel.