Lackieren Teil 1:  Was man bedenken sollte

Lackierarbeiten sind im Schiffsmodellbau unumgänglich. Man sollte einige grundsätzliche Überlegungen anstellen, bevor man sich an die Arbeit macht! Farben und Lacke enthalten oft Lösungsmittel und sollten deshalb möglichst in gut belüfteten Räumen verarbeitet werden. Das gilt für Farben und Lacke, die mit einem Pinsel aufgetragen werden, mehr aber noch für Lacke aus Sprühdosen oder solche, die mit einer Lackierpistole versprüht werden. Hier gelangen verstärkt Aerosole mit Farbpartikeln und Lösungsmitteldämpfen in die Luft, die dann eingeatmet werden. Dass dies gesundheitsschädlich ist, kann jeder nachvollziehen. Das Tragen einer Atemschutzmaske ist deshalb sehr wichtig. Ferner sollte man entsprechende Arbeitskleidung und ggf. auch Handschuhe tragen. Die Farbpartikel setzen sich wirklich überall ab, auch auf der Kleidung und in den Haaren! Wer keinen geeigneten Raum hat, der kann sich behelfen, und Lackierarbeiten auch bei trockener, nicht zu kalter Witterung und bei Windstille im Freien oder in der Garage ausführen. Decken Sie Gegenstände und Pflanzen in der Nähe und ggf. auch den Bodenbereich im Umfeld des zu lackierenden Objekts ab, damit nichts verschmutzt wird!

Abschließend sei mir der Hinweis gestattet, dass ich weder Lackierer bin noch über tiefergehendes Fachwissen dazu verfüge. Alles, was ich hier zum Thema darstelle, beruht auf Auswertung von Modellbau-Fachbüchern sowie auf meinen eigenen Erfahrungen, die ich hier weitergebe!

 

 

Lackieren Teil 2: Die Vorbereitung des Untergrunds

Ein gutes Ergebnis kann man nur erzielen, wenn der Untergrund gut vorbereitet wird! Das sollte man beherzigen, auch wenn es manchmal mühsam und zeitraubend ist. Nichts ist frustrierender, als am Ende ein Ergebnis zu erzielen, dass unbefriedigend ist, denn der äußere Eindruck eines Modells, in das wir viel Zeit und Mühe investiert haben, hängt entscheidend von einer sauberen Lackierung ab. Der Untergrund bestimmt, welche Vorbereitungen nötig sind, ein Holzrumpf beispielsweise ist anders zu behandeln als ein Rumpf aus GFK oder ABS. Hinweis: ABS ist nicht UV-beständig und sollte deshalb immer lackiert werden. Unter Sonneneinstrahlung neigt das Material sonst zur Vergilbung und wird mit der Zeit spröde!

Holzrümpfe (und andere Holzteile) müssen zunächst sauber verschliffen sein, so dass alle Unebenheiten beseitigt sind. Dazu kann man zunächst ein Sandpapier gröberer Körnung nehmen. Für größere Flächen benutzt man einen Schleifklotz. Nach jedem Schleifdurchgang benutzt man Sandpapier mit feinerer Körnung bis alles ganz glatt ist.

Nach dem Entfernen des Schleifstaubs erfolgt ein erster Anstrich mit Porenfüller. Die Trocknungsdauer ist den Herstellerangaben zu entnehmen. Porenfüller dringt in das Holz ein, dabei richten sich feinste Holzfasern auf, die wir nach der Trocknung wegschleifen müssen. Das gilt für alle Flächen, die lackiert werden sollen. Andere Teile, z.B. innerhalb des Rumpfes, müssen hingegen nicht verschliffen werden, denn hier soll der Porenfüller nur das Holz gegen Feuchtigkeit imprägnieren. Das funktioniert auch ohne schleifen.

Die Holzoberflächen werden nun sorgfältig mit Sandpapier feiner Körnung abgeschliffen. Danach erfolgt ein erneuter Anstrich mit Porenfüller und erneutes Abschleifen. Zweimaliges Streichen mit jeweils anschließendem Abschleifen bringt schon eine gute Oberfläche. Ich habe mir angewöhnt, aber mindestens 3 Anstriche, ggf. auch 4 Anstriche mit jeweils folgenden Schleifdurchgang durchzuführen. Dabei benutze ich bei jedem Schleifdurchgang Sandpapier mit einer feineren Körnung. Danach sollte die Oberfläche perfekt für die weitere Lackierung vorbereitet sein!

Ein Rumpf aus GFK oder ABS benötigt hingegen keine Vorbehandlung mit Porenfüller. Hier schleifen wir den ganzen Rumpf in mehreren Durchgängen ab, wobei wir nach und nach zu immer feinerer Körnung wechseln. Wer es ganz besonders gut machen möchte, der besorgt sich sog. Nass-Schleifpapier und schleift den Rumpf zum Schluss sorgfältig nass. Nach dem Entfernen der Schleifrückstände sollte unser Rumpf jetzt keine Gussnähte oder sonstige Unebenheiten aufweisen. Das Ergebnis stimmt, wenn der Kunststoffrumpf seidig-matt erscheint.

 

Lackieren Teil 3: Der Lackiervorgang

Da ich über keine Lackiererwerkstatt verfüge, lackiere ich meine Modelle grundsätzlich mit Sprühlack aus der Spraydose. Aber auch damit kommt man zu guten Ergebnissen, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet:

1. Lackdosen immer gut schütteln! Immer als erste Schicht eine Grundierung (Primer) auftragen. Grundierungen trocknen i.d.R. schnell und können nach etwa 1 - 2 Stunden schon überlackiert werden. Bootskörper aus Kunststoff vorher immer gründlich mit Alkohol, z.B. Brennspiritus, reinigen, um Fingerabdrücke und Fette zu entfernen. Danach bis zum Ende aller Lackiervorgänge das Modell nicht mehr mit bloßen Händen berühren sondern Baumwollhandschuhe tragen!

2. Alle Farbschichten ausreichend trocknen und aushärten lassen! Warten Sie mindestens 24 Stunden, bevor Sie eine weitere Farbschicht aufsprühen, falls die 1. Farbschicht nicht deckend war. Nach der letzten Farbschicht sollten Sie dem Lack 2 bis 3 Wochen!!!!! Ruhe gönnen. So lange dauert es, bis der Lack vollkommen ausgehärtet ist. Der Aushärtevorgang verkürzt sich in warmer Umgebung!

3. Grundsätzlich von "hell" nach "dunkel" lackieren (also weiß zuerst, dann die nächst dunklere Farbe usw.

4. Zum Abkleben von Farbgrenzen kein Kreppband aus dem Baumarkt sondern spezielles Abklebeband benutzen, das es im Modellbaufachhandel gibt! (Grund: Bei Kreppband müssen Sie befürchten, dass die frische Farbe unter das Kreppband "kriecht" und damit kein sauberer Farbübergang möglich ist)

5. Um den Umgebungsstaub zu binden, können Sie vor dem Lackiervorgang mit einer Sprayflasche Wasser in der Luft verteilen. Die feinen Wassertröpfchen heften sich dann an die Staubteilchen und sinken zu Boden. So vermeiden Sie, dass sich Staubteilchen auf der frischen Farbe niederlassen und dort festkleben!

6. Nachdem die letzte Lackschicht 2 - 3 Wochen später voll ausgehärtet ist, kann man das Ganze mit einer Schicht Klarlack überziehen. Diese Schicht dient als Schutzschicht, auch gegen UV-Licht. Ich tendiere bei der Auswahl des Klarlacks grundsätzlich zu "seidenmatt".

7. Widerstehen Sie der Versuchung, Staubpartikel o.ä. vom noch nicht durchgetrockneten Lack zu entfernen. Das geht mir Sicherheit schief. Besser den Lack trocknen lassen, anschließend die betreffende Stelle mit feinem Sandpapier vorsichtig abschleifen. Nach einem weiteren Lackierdurchgang sieht man (hoffentlich) nichts mehr!

8. Beim Sprühen mit der Sprühdoe den Sprühkopf immer etwa 20 cm vom Lackierobjekt fernhalten. Wir wollen dünne Farbnebel aufbringen und keine Farbnasen provozieren! Gut  wenn Sie Ihr Modell so aufgebockt haben  dass Sie beim Besprühen rundherum gehen können. Dann erreichen Sie alle Stellen! Achten Sie darauf, den Sprühkopf in gleichmäßigen Bewegunen über die Flächen zu bewegen. Niemals den Sprühkopf über einer Stelle anhalten, immer in Bewegung bleiben! Achten Sie darauf, wie die aufgesprühte Farbe ausschaut: Wirkt sie an einen oder mehreren Stellen besonders stark glänzend und feucht, unterbrechen sie den Vorgang, lassen alles ein wenig abtrocknen. Nach ca. 10 Minuten sollten Sie weitermachen können!

9. Überlegen Sie, wie Sie z.B. Ihren Bootskörper lackieren wollen: Meisten können Sie nicht Ober- und Unterseite in einem Zug durchlackieren! Beginnen Sie beispielsweise mit der Oberseite und lassen die Farbe bitte mehrere Tage trocknen. Danach können Sie den Rumpf mit Handschuhen behutsam umdrehen. Wenn Sie das tun, bevor die Farbe ordentlich getrocknet ist, werden Sie an den frisch lackierten Kontaktstellen zur Unterlage Unschönes feststellen müssen! Merke: Nach Herstellerangaben ist eine Farbe nach so und soviel Stunden zwar "berührtrocken".

Wenn Sie das testen, werden Sie feststellen, dass der frische Farbauftrag sich dennoch klebrig anfühlt und sehr! empfindlich gegen jedwede mechanische Beanspruchung ist.

Also: Immer gut trocknen lassen, im Zweifel ein paar Tage mehr!

Merke: Geduld ist eine Haupttugend des erfolgreichen Modellbauers!

 

Werkzeuge: Das Streichmaß

Ein Streichmaß ist ein Werkzeug aus dem Tischler-Bereich. Damit lassen sich exakte Markierungen auf Holz, Aluminium, Messing anreißen. Das Streichmaß kann auf verschiedene Abständen eingestellt werden und ritzt mit einem scharfen Dorn die Oberflächen. So können z.B exakte Schnittlinien usw. auf dem zu bearbeitenden Material angezeichnet werden!

 

Das Streichmaß im Einsatz